Wird die Sabbagh Universal Spring im Bereich der normal
kooperierenden Patienten mit Distalbisslage von Ihnen bevorzugt oder
benutzen Sie diese vorwiegend bei Patienten mit schlechter Mitarbeit?
Primär liegt die Indikation bei Patienten mit schlechter Zusammenarbeit
vor, aber wir setzen die Sabbagh Universal Spring auch bei Patienten mit
extremer Distalbisslage ein. Die Sabbagh Universal Spring wird 24 Stunden
eingesetzt und ist damit effektiver als die FKO-Apparaturen, die nur
nachts und nachmittags getragen werden. Weitere Indikationen für den
Einsatz der Sabbagh Universal Spring sind bei Patienten mit Mundatmung,
bei Patienten mit Allergien gegen Kunststoffbestandteile, bei Patienten
mit Kiefergelenkdysfunktion und bei Patienten mit
Schlafstörungen/Schnarchen gegeben.
Ist die Bereitschaft der Patienteneltern zur Finanzierung der Kosten
erst nach langwierigen Umstellungsversuchen da oder lassen sich die
Patienten schnell überzeugen?
Die Patienten lassen sich sehr gut überzeugen, vor allem wenn man ihnen
die möglichen Alternativen der Behandlung erläutert. Die wenigsten möchten
einen Headgear tragen oder, das zwei gesunde Zähne gezogen werden müssen.
Wenn man die Eltern vor diese Alternative stellt, sind sie sehr schnell
von der Sabbagh Universal Spring überzeugt. Auch sind die Kosten niedriger
als die alternativer Apparaturen.
Welche Probleme gibt es bei der Eingliederung im Umgang mit der
Sabbagh Universal Spring? Was muss beachtet werden bei der
Verankerung?
Vor allem für die Kollegen, die mit ähnlichen Apparaturen oder dem
Herbstscharnier gearbeitet haben, ist das Einsetzen ziemlich einfach.
Zunächst wird die Teleskopstange mit der U-Schlaufe in das am Oberkiefer
fixierte SUS-Teleskopelement eingeführt. Die Verankerung im Oberkiefer
muss stabilisiert werden, d.h. der Knopfanker, der für die Verankerung
benutzt wird, muss gut umgebogen werden. Ein starker Stahlbogen im
Unterkiefer (mindestens 16 x 20) und die U-Schlaufe werden mit einer
Ligatur fixiert, weil ansonsten die Apparatur instabil wird und die Gefahr
besteht, dass die Patienten aufbeißen. Ansonsten ist die Eingliederung der
Sabbagh Universal Spring sehr einfach und es entstehen quasi keine
Schwierigkeiten.
Es gibt also keine speziellen Probleme? Welches Feedback bekommen
Sie von den Anwendern?
Spezielle Probleme in dem Sinne gibt es nicht. Patienten, bei denen die
Sabbagh Universal Spring verankert wurde, meinten, die Eingewöhnungsphase
wäre kürzer als bei Multibrackets.
Sind Brüche bisher vorgekommen oder wurden Apparaturen von Patienten
unwirksam gemacht?
Die Patienten sind eigentlich nicht in der Lage, die Sabbagh Universal
Spring selbst abzubauen und machen dies in der Regel auch nicht.
Ab und zu passiert es, das sich ein Bracket im Unterkiefer ablöst –
aber das ist eher selten. Bei normalen Multibrackets passiert dies bei
zwanzig Fällen ein Mal. Die Häufigkeit bei der SUS ist ähnlich.
Welche biologischen Probleme sind bisher bei forcierter Umstellung
vorgekommen?
Es wurde angenommen, dass eine forcierte Vorwärtsbewegung des
Unterkiefers Kiefergelenkprobleme verursachen kann. Jedoch konnte
nachgewiesen werden, das die Apparaturen, die den Unterkiefer nach vorn
bewegen, wie das Herbst-Scharnier oder die Sabbagh Universal Spring, für
das Kiefergelenk nicht schädlich sind. Im Gegenteil, bei einer
Distalbisslage des Unterkiefers können sie sogar sehr hilfreich sein. Der
einzige Nachteil dieser Apparaturen ist, das eine Protrusion des
Unterkiefers verstärkt wird, d.h. dass das Vorkippen der Frontzähne unter
Umständen um ein paar Grad vergrößert werden kann. Sind die Frontzähne von
Anfang an sehr protrudiert, dann liegt darin eine Kontraindikation für
diese Apparatur vor. Das ist eigentlich die einzige Einschränkung der
Sabbagh Universal Spring. Es gibt allerdings auch genügend Möglichkeiten,
wie man die Protrusion der Unterkieferfrontzähne minimieren kann, sodass
sie kein Problem mehr darstellt. Vermeiden lässt sie sich aber nicht ganz.
Ist die Pflege der Sabbagh Universal Spring sehr aufwändig?
Bei der Sabbagh Universal Spring wurden offene Teleskoprohre
konstruiert, in denen die Teleskopstangen beim Öffnen und Schließen des
Mundes durch das Teleskoprohr ein- und ausfahren. Damit wurde die
Möglichkeit des Zusetzens durch Essensreste oder durch Beläge weitgehend
minimiert. Dies ist ein großer Vorteil der Sabbagh Universal Spring
gegenüber ähnlichen Apparaturen mit teilweise geschlossenen Teleskopen und
den damit verbundenen hygienischen Problemen. Darüber hinaus besteht die
Sabbagh Universal Spring aus einem korrosionsbeständigen Edelstahl und
alle Verbindungen werden mit dem Laser ausgeführt, sodass kein Lot zum
Einsatz kommt. Hierdurch wird die Korrosion deutlich reduziert und die
Apparatur ist freundlicher für die Mundschleimhaut und für die allgemeine
Gesundheit des Patienten.
Mit welchen Behandlungszeiten rechnen Sie bei einer erheblichen
sagittalen Stufe (PB)?
Normalerweise dauert eine durchschnittliche Behandlung mit der Sabbagh
Universal Spring sechs Monate, d.h. eine PB ist problemlos in sechs
Monaten zu beseitigen. Bei mehr als einer PB kann sich die Behandlungszeit
auf acht bis neun Monate erhöhen.
In welcher Phase der Multibandbehandlung gliedern Sie die Sabbagh
Universal Spring ein?
Die Sabbagh Universal Spring vereinigt zwei kieferorthopädische
Apparaturen in einem. Man kann sie starr einstellen: dann wirkt sie wie
ein starres Teleskopelement, das den Unterkiefer nach vorne zwingt, wie
beispielsweise das Herbstscharnier. Diese Apparaturen können eigentlich
sofort eingesetzt werden, d.h. man bringt Bänder als Verankerungseinheit
im Unterkiefer an. Dann kann sofort damit begonnen werden, den Unterkiefer
nach vorn zu bewegen und vorwachsen zu lassen. Mit dieser ersten Variante
kann sofort begonnen werden. Das ist vor allem dann notwendig, wenn die
Patienten zu spät zur Behandlung kommen und nur noch wenig Restwachstum
haben, welches man noch voll ausnutzen möchte. Das ist eine Möglichkeit.
Die andere Möglichkeit: die Sabbagh Universal Spring wird so eingestellt,
dass die innere Federkraft wie ein flexibles Federelement arbeitet,
beispielsweise in Analogie zum Jasper Jumper. In diesem Fall wird die
Sabbagh Universal Spring an einer Multibracketapparatur angebracht mit
mindestens einem Stahlbogen der Stärke 16 x 22. Dies dauert in der Regel
fünf bis sechs Monate, und erst dann kann man ein flexibles Federelement
einbauen, um die angestrebten dentalen Effekte zu erreichen. Die Sabbagh
Universal Spring kann sowohl in der flexiblen als auch in der starren
Einstellung parallel zur Multibracketapparatur eingegliedert werden.
In welchen Altersgruppen haben Sie die besten Erfahrungen
gemacht?
Die besten Erfahrungen haben wir bei Patienten gemacht, die zwischen 12
und 14 Jahre alt sind, bei denen also die bleibenden Zähne schon
weitgehend durchgebrochen sind und die sich in der zweiten Phase des
Wachstumsschubes befinden.
Behandeln Sie trotzdem auch Erwachsene mit der Sabbagh Universal
Spring?
Ja, wir behandeln auch Erwachsene mit der Sabbagh Universal Spring.
Allerdings sind die Effekte bei der Beseitigung einer Distalbisslage bei
Erwachsenen geringer als bei den wachsenden Patienten, da kein
Wachstumsprozess mehr stattfindet. Unterstützend wirken in dem Fall aber
die Möglichkeiten eines Kiefergelenkumbaus und der dentoalveolären
Adaption. Obwohl eigentlich ein Wachstum des Kiefers nicht mehr zu
erwarten ist, kann man bei erwachsenen Patienten eine Distalbisslage
beseitigen.
Sie waren auch auf dem 102. Jahreskongress der American Association
of Orthodontists (AAO) in Philadelphia? Der Trend der sich in Philadelphia
gezeigt hat, liegt in der Lingualtechnik und selbstligierenden
Brackets?
Lingualbrackets und selbstligierende Brackets wurden zwar verbessert,
aber das ist eigentlich keine Innovation mehr. Die gibt es schon sehr
lange.
Aber das ist der Trend?
Lingualbrackets gibt es schon eine ganze Weile und selbstligierende
Brackets auch. Es wird jedes Jahr ein bisschen was daran verbessert und
auf dem Kongress auch dargestellt, aber es gibt sie bestimmt schon sechs
oder sieben Jahre.
Denken Sie, dass sich in naher Zukunft alles auf die Entwicklung und
Anwendung von Lingualbrackets und von selbstligierenden Brackets
konzentrieren wird?
Nein, ich finde schon, dass es einen Markt dafür gibt, aber wie ich es
in meiner Praxis sowie in den Praxen meiner Kollegen beobachtet habe, gehe
ich nicht davon aus, dass sich in naher Zukunft alles auf die Entwicklung
und Anwendung dieser Brackets konzentrieren wird. Ich schätze, dass diese
Märkte jeweils nicht 20 bis 30 Prozent übersteigen werden. Lingualbrackets
sieht man zwar nicht, aber Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass sie
damit schlechter sprechen können. Sie haben eine viel längere
Eingewöhnungsphase, es scheuert stark an der Zunge und die Behandlung
dauert insgesamt länger. Meiner Meinung nach gibt es Fälle, bei denen
Lingual- oder selbstligierende Brackets sicherlich die bessere Lösung
darstellen, aber die "normale" Technik werden sie nicht ersetzen können.
Das wird sich aber in Zukunft herausstellen.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Dr. Aladin Sabbagh
Friedrichstraße 12
91054 Erlangen
E-Mail: kfo@sw-ortho.de
Tel.: 0 91 31/20 39 67
Dr. Aladin Sabbagh wurde am 04.09.1964 in München geboren. Das Studium
der Zahnmedizin absolvierte er an der Universität von Damaskus von
1982–1987 und schloss es mit der Promotion "Doctor of Dental Surgery
(D.D.S.)" 1987 ab. Von 1987–1989 arbeitete er als Assistent an der
Universität von Damaskus in der Abteilung für Mund- und Kieferchirurgie
und erlangte 1989 die Anerkennung als Facharzt für Oralchirurgie. Seine
Zeit als Weiterbildungsassistent verbrachte er von 1989–1993 bei Dr.
Schönberger in Nürnberg. 1993 erlangte er seine Anerkennung als Facharzt
für Kieferorthopädie und eröffnete seine Praxis in Erlangen. Dr. Aladin
Sabbagh ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie, der
World Federation of Orthodontists und der Arab Association of
Orthodontists. Dr. Aladin Sabbagh gibt seit 1991 zahlreiche
Seminare.